Paulus-Gemeinde
Berlin-Neukölln
aktuell - geistliches Wort
Großziethen, Mount Ziethen, Foto Mader
An(ge)dacht
Jesus spricht zu Thomas: Weil du mich gesehen hast, darum
glaubst du? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!
(Joh 20,29))
Ostern ist mehr als Schokolade! Klar, das gehört irgendwie
dazu: Süßigkeiten, Hühnereier in allerlei Variationen, ein
Frühlingsspaziergang und Besuche bei Verwandten und
Freunden – das hat die Industrie wahrgenommen und
versucht erfolgreich, damit Geld zu verdienen. Aber ich bleibe
dabei: Ostern ist mehr als Schokolade, auch wenn sie
Hasenform hat und „Fairtrade“ ist.
Aber da stimme ich zu: Ostern genieße ich – Du und Sie
auch? Allerdings nicht nur wegen der genannten schönen
Dinge, sondern wegen des Mehrwerts. Und der wäre? Der
christliche Hintergrund dieses Festes. Es geht um das Leben
(passt zum Frühling)! Es geht um große Freude (passt zu
Ostereiersuche und manchem Verwandtschaftsbesuch)! Aber
ursächlich ist, was Jesus passiert ist! Das ist der, der vor 2000
Jahren im heutigen Heiligen Land mit Wundern und Vorträgen
unterwegs war. Und der von der Besatzungsmacht
hingerichtet wurde (auf einem Hügel namens Golgatha an
einem Kreuz, wie entlaufene Sklaven). Und von dem plausibel
berichtet wird, dass er von den Toten auferstand (der erste
bisher – und leider aktuell der einzige)!
Der oben genannte Thomas scheint einer aus der
Freundesschar, man sagt auch „ein Jünger“ gewesen zu sein.
Er war ein vernünftiger Mensch, der sich nicht leicht einen
Bären aufbinden ließ. Daher forderte er Beweise für die
Auferstehung – und bekam sie von Jesus selbst. Daraufhin
„rutschte“ ihm ein Bekenntnis raus: „Jesus, du bist es wirklich,
mein Herr und mein Gott!“ Er glaubte plötzlich, als er Jesus,
dem Auferstandenen persönlich begegnet war, dass dieser der
wahre höchste Herr dieser Welt und also auch von ihm ist,
dass der Mensch Jesus Gott war.
Das ist Ostern! Ja, ich glaube das, obwohl ich Jesus, anders
als Thomas, nicht gesehen habe. Ich habe „nur“ von ihm
gelesen. Ich erlebe „nur“ geheimnisvoll friedliche und tröstliche
Gottesdienste. Ich begegne „nur“ immer wieder Menschen, die
mir das auch so erzählen. Es sind „nur“ viele Menschen aller
Nationen und Generationen und Altersstufen, denen es so wie
mir geht. „Glaube“ ist wundersam, weil man ihn nicht machen
kann. Er ist einfach da. Auch bei Dir und Ihnen! Ja, da bin ich
mir ganz sicher, denn zu glauben liegt nicht an uns.
Daher: Genießt Ostern! Lassen wir uns all die oben genannten
schönen Dinge gefallen. Und besuchen wir irgendwo in diesen
Tagen Gottesdienste, die unseren Glauben stärken! Wir
können auch in der Bibel nochmal nachlesen und unseren
Glauben neu gründen. Und mit anderen darüber
philosophieren, diskutieren, jubilieren, was da für uns passiert
ist, also Glauben teilen! Eben: Ostern genießen und selig sein!
Der Herr ist auferstanden!
Ihr und Euer Pastor Bernhard Mader
Fürstenwalder Gedanken
Jesus sprach: „Ich versichere euch: wenn ihr nicht
umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht ins
Himmelreich kommen.“ (Matth. 18,3)
Da wir hier in unserer überalterten Gemeinde leider nur
wenige Kinder als Gemeindeglieder haben, wollen wir uns
doch einmal dem „Kind“ in uns selbst widmen. Wir
Erwachsenen, die wir zuweilen gerne einmal an
„Selbsterhöhung“ laborieren, blicken manchmal ein wenig
überheblich auf Christen herab, die sich ihren kindlichen
Glauben an Jesu bewahrt haben und nicht so die großen
„Auskenner“ sind. Vielmehr geht es um das „Umkehren“,
um in diesem Sinne wieder wie die unbedarften Kinder
werden zu können. Denn wir werden durch Gottes Augen
auf unsere „Echtheit“ geprüft und nur Er kann bis tief hinab
in unser Herz schauen. Deshalb sollte der erwachsene
Mensch alle Gedanken der „Selbsterhöhung“ aufgeben,
denn von sich „selbst“ aus hat er keinen Ruhm oder
Verdienst vorzuzeigen. Alles wird ihm nur vom Herrn
geschenkt (Epheser 2,9): „Nicht aus Werken, auf dass sich
keiner selbst rühme.“ Das geht nur mit der Einstellung,
seine eigene Sündhaftigkeit zu erkennen und sich durch
innere Demut umzukehren.
Früher nannte man das mal Buße, welches Wort als
altmodisch abgetan wird, aber dennoch brandaktuell ist,
da hilft auch keine schöne Umschreibung. Nur wer sich
wie ein Kind stellungsgemäß erniedrigt, wird im Himmel an
Größe gewinnen. Das ist wie kurz nach der politischen
Wende in Deutschland mit „Ost“ und „West“. Alles war
anders und in der Denkweise völlig verschieden. So sind
die Werte und Maßstäbe im Himmel denen der Erde auch
völlig entgegengesetzt. Und so sollten wir unsere eigene
Denkweise selbst einmal auf den Prüfstand geben. Dabei
hilft uns auch Lukas 14,12: „Denn wer sich selbst erhöht,
der soll erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt,
der soll erhöht werden.“ Und nicht zuletzt ist unser Herr
und Heiland das beste Beispiel für Selbsterniedrigung.
Gott trägt seine Kinder auf dem Arm, rettet und bewahrt
sie. Aber Gott erwartet, dass die Menschen auch als seine
Kinder leben. Reden wir heute Gott als Vater an, dann
dürfen wir uns an seiner Gnade und Liebe, seiner
Fürsorge und Treue erinnern. Gleichzeitig nehmen wir uns
als seine Kinder wahr, die Gott lieben, mit ihm leben und
Ihm ebenso die Treue halten.
Dazu habe ich folgenden passenden Mehrzeiler gefunden:
Die „Kinder dieser Welt“ setzen
ihren großen Stolz darein,
keine „Kinder“ mehr zu sein;
darum verachten sie Christen
schon deshalb, weil sie notwendig
immer etwas Kindliches haben werden.
Theodor Haecker (1879-1945)
Geschwisterliche Grüße aus Fürstenwalde, Andreas Lenz