Paulus-Gemeinde
Berlin-Neukölln
aktuell - geistliches Wort
Großziethen, Mount Ziethen, Foto Mader
An(ge)dacht
Da weinte Jesus.
(Johannes 11,35 (E))
Da weinte Jesus. Wann hast du das letzte Mal geweint? Ich
kann das nicht. Gut, wenn Du es kannst. Jesus konnte es.
Tränen offenbaren die Traurigkeit und Verzweiflung im Herzen.
Sie fließen aus den Augen. Die Nase läuft. Der Kopf wird im
besten Fall klarer – oder man bekommt Kopfschmerzen. Dann
ist es danach noch schlimmer.
Da weinte Jesus. Warum eigentlich? Erst dachte ich ja, das ist
die Stelle, wo Jesus bei seinem Einzug auf dem Esel an
„unserem“ Palmsonntag, also eine Woche vor Ostern, vom
Ölberg aus Jerusalem vor sich im Tal liegen sieht. Es muss ein
atemberaubender Blick gewesen sein, denn man sah den
herrlichen Tempel und konnte das ganze Tempelplateau
überblicken. Links und rechts davon und dahinter erstreckte
sich Jerusalem, eingefasst von einer Stadtmauer. Vorne
grenzte die hochaufragende Mauer des Tempelplateaus direkt
an das Kidrontal, das zwischen Stadt und Ölberg bis heute
liegt. Durch welches Tor Jesus einzog, wird nicht gesagt und
lässt sich bis heute nicht bestimmen. Jesus weinte angesichts
der Stadt, weil ihm klar war, dass er abgelehnt werden würde.
Unsere Stelle steht jedoch im Zusammenhang mit der
Auferweckung des Lazarus. Diese wird nur im Johannes-
Evangelium überliefert. Es ist eine der drei
Totenauferweckungen, die berichtet werden. Hier weint Jesus
auch, genau genommen fließen ihm einfach die Tränen. Der
Schmerz ist zu groß. Dass Menschen dem Tod ausgeliefert
sind, dass der Tod gnadenlos ist, dass der Tod seine Macht
scheinbar unbeschränkt ausübt, das und die Trauer, Verletzung
und Verwirrung der Hinterbliebenen mag dazu geführt haben,
dass Jesus weinte, wie die Einheitsübersetzung schreibt.
Mir ist das zu schwach, zumal das Griechische dafür andere
Verben kennt. Ich denke, dass wir hier mit einem wirklichen
„Gefühlsausbruch“ rechnen sollten. Ich meine das, damit uns
die emotionale Nähe Jesu im wahrsten Sinne nahe kommt:
Auch du bist gemeint! Jesus weiß um deine Schmerzen, deine
Angst, deine Einsamkeit, deine Todesnot. Und er hat Mitleid, er
weint mit dir, nicht über dich. Die Passionszeit bietet diese
Sichtweise und Gedanken an: Er kennt mich, er liebt mich, er
tat, was wir bedenken, auch für mich! Niemand ist
ausgeschlossen – nicht hier in Berlin, nicht in Fürstenwalde,
nirgends!
Ihr und Euer Pastor Bernhard Mader
Fürstenwalder Gedanken
Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an
ihm ruhte von all seinen Werken.
1. Mose 2,3
Was für eine schöne Vorstellung: Da ist Jesus Christus, der
Schöpfer aller uns sichtbaren Dinge samt des Universums (Joh
1,1; Kol 1,16; Hebr 1,2) und er lehnt sich mit einem Lächeln
zurück, denn jetzt schaut Er auf das, was sechs Tage lang eine
Herausforderung war, jetzt aber geschafft ist. Dann spürt er
deutlich: „Es ist sehr gut.“
Wir kennen dieses Gefühl der Herausforderung, wenn
anstrengende Zeiten und Aufgaben uns an den Rand unserer
eigenen Kräfte führen. In unseren verdichteten Zeiten der
Arbeit, der Freizeit und der endlosen Möglichkeiten, etwas zu
erleben und immer in Bewegung zu sein, kommen wir rasch an
unsere Grenzen. Das ist nicht nur in der realen Welt so,
sondern auch in der Welt des Internets, die ständig unsere
Aufmerksamkeit beanspruchen will. Am Ende sind wir zuweilen
völlig erschöpft. Ausgebrannt zu sein ist eine ernst zu
nehmende Erkrankung. Und dann hören wir plötzlich dies: Gott
macht Pause von allem. „Er ruhte von allen seinen Werken.“
Bei Gott ist es keine Ruhe von Erschöpfung, sondern die Ruhe
und Zufriedenheit über die gelungene Vollendung. Er tut das
am siebten Tag zur Hilfe und Orientierung für uns
Menschenkinder, aber auch zu seiner Anbetung an diesem
Tage. Diesem siebten Tag verdanken wir das, was wir für unser
Leben brauchen: einen Rhythmus aus Arbeit und zweckfreier,
gottgewollter, geschenkter Zeit.
Diese hilft uns, uns wieder auf Ihn zu fokussieren und unsere
Kräfte zu sammeln für alles, was uns im Alltag fordert und
beansprucht. Darum danken wir unserem Herrn und Heiland,
dass Er uns Zeit schenkt, um zu verweilen, sodass unsere
Seele durchatmen kann. Er hält schützend Seine Hand über
uns. Unter dem Schatten seiner Flügel finden wir Zuflucht, bis
manch Unheil vorüber ist.
Geschwisterliche Grüße aus Fürstenwalde, Andreas Lenz