Paulus-Gemeinde
Berlin-Neukölln
aktuell - geistliches Wort
Foto zu der Andacht: Ev.-Luth. Kirche Fürstenwalde, Altar,
Foto Bernhard Mader
An(ge-)dacht
Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest
und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft
auflegen!
Brief an die Galater 5,1
Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,
bitte lernt diesen Monatsspruch auswendig. Er ist es wirklich
wert, schon allein durch das Wortspiel gleich zu Beginn: Zur
Freiheit befreit… Damals kannten sie Unfreiheit, denn überall
gab es Sklaven. Das Wort kommt ebenfalls vor: Knechtschaft,
was etwas seicht ist: Es geht um die absolute Unfreiheit eines
Sklaven!
Christus hat uns davon befreit! Und die Freiheit ist umfassend
zu denken, weshalb Paulus dieses Wortspiel anwendet:
wirklich frei! Hast Du es schon gelernt: „Zur Freiheit hat uns
Christus befreit!“?
Euer Altarbild, liebe Glieder der Gemeinde in Fürstenwalde,
scheint etwas anderes darzustellen. Ein Mensch leidet. Blut
tropft. Es ist Jesus, wie er kurz vor seiner Tötung von den
Soldaten grausam ausgepeitscht und dann auch noch
verhöhnt wird. Weil er souverän auftrat und auch seine Worte
es nahelegten, behängten sie ihn mit Zeichen der Herrschaft:
Eine Königskrone aus Dornenzweigen und ein Mantel in
Herrscherrot. Doch Jesus steht fest. Er lässt es mit sich
machen. Er nutzt nicht seine Wundergaben, seine
Gottesmacht. Duldend liefert er sich den Menschen aus und
sie treiben ihr Spiel, bis er gemartert sein Leben aushaucht.
Paulus erkennt darin die Befreiungstat! Siehst Du es auch?
Es ist nicht logisch.
Es ist Liebe! Jesus durchbricht die Gewalt. Er erhebt sich
über die Lüste des Normalen. Er folgt nicht seinen Gefühlen.
Er lässt sich seine Freiheit nicht nehmen und tut, was er will –
und das ist, was sein Vater will.
Damit bekommt der zweite Teil des Monatsspruch Gewicht:
So steht nun fest! Wir sind aufgefordert in dieser Freiheit, zu
der Christus uns durch seine Tat befreit hat – es ist wirklich
geschehen! – fest zu bleiben. Und dann sollen wir auch noch
aufpassen: lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft
auflegen!
Diesen Auftrag haben wir! Eigentlich ist es ganz leicht: man
lässt sich was auflegen. Das machen andere, man selbst ist
still. Aber das ist auch gefährlich, denn es ist bequem und
lenkt von anderem ab. Durch die Hintertür kommt „das Joch
der Knechtschaft“ auf uns. Wir verliefen die Freiheit und
landen im alten Zustand.
Bist Du stark genug? Im Joch weiß man immerhin, was man
zu tun hat: Einfach ziehen! Vieles ist einfach: Den Begierden
des Lebens folgen, machen, was man will. Den Ordnungen
folgen, nicht nachdenken, nur nicht anecken, machen, was
andere wollen. All das ist nicht gemeint!
Christus hat uns wahrhaft befreit, aber wir sind noch in der
unfreien Welt. Gott sei Dank! Er selbst ist bei uns. Wandelt im
Geist! Das ruft Paulus (Gal 5,16).
Möge Gott es uns schenken – in Fürstenwalde, in Neukölln,
allen Christen, ja allen Menschen!
Ihr und Euer Pastor Bernhard Mader
Fürstenwalder Gedanken
Sie war eine der tragenden Säulen in unserer Firma. Keine
Bitte schlug sie ab. Für jeden hatte sie ein offenes Ohr. Das
wurde gerne in Anspruch genommen. Sie war anerkannt und
beliebt. Und dann sagte sie eines Tages: "Ich bin
ausgebrannt, ich kann nicht mehr!" Damit teilt sie die
Erfahrung des Propheten Elia! Elia war ein erfolgreicher
Prophet voller Einsatz und Eifer für Gott. Aber dann erlebte er
den Zusammenbruch.
Muss das unbedingt das Ende sein? Aber nein! Denn Elia
erfährt die Treue und die umfassende Fürsorge Gottes. Und
so gewährt Gott ihm eine Auszeit. Er schenkt ihm stärkende
"Leibesfürsorge", nämlich geröstetes Brot, frisches Wasser
und tiefen Schlaf. Und Elia erfährt hilfreiche "Seelsorge" in der
Begegnung mit unserem wegweisenden Gott. Dem
Einzelkämpfer Elia zeigt er den Blick auf die Gemeinschaft.
So kann er dann gestärkt seinen Weg gehen. Ein schönes
Beispiel für "Gemeinde", die dem einzelnen Gestrauchelten
wieder auf die Beine hilft, um sich an seinen von Gott
verliehenen Gaben zu erfreuen und diese als Bereicherung zu
empfinden.
Der Mensch muss sich selber hinter sich gelassen haben,
wenn er eine Ahnung von sich selbst bekommen will.
Pater Alfred Delp SJ (1907-1945)
Geschwisterliche Grüße aus Fürstenwalde: Andreas Lenz